Faktencheck: Gewalt und Rechtsextremismus im AfD-Umfeld

AfD-Politiker fordern „millionenfache Abschiebungen“ – das würde immense Lücken reißen und erhebliche negative Folgen für Deutschland haben.

AfD-Politiker fordern immer wieder millionenfache Remigration bzw. Abschiebungen – so wie AfD-Parteichef  Tino Chrupalla beim Gründungskongress der AfD-Jugendorganisation im November 2025: „Dass wir eine millionenfache Abschiebung brauchen, das ist ja nun unumstritten“.

Für die deutsche Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist das Verhalten der AfD fatal: Denn Deutschland ist angesichts des demografisch bedingen Arbeitskräfterückgangs dringend auf Zuwanderung von Arbeits- und Fachkräften angewiesen. Bereits heute ginge in vielen Branchen ohne Menschen mit Migrationshintergrund kaum noch etwas. Gerade auch im Gesundheitswesen – also in der medizinischen Versorgung und in der Pflege – sind ausländische Beschäftigte unverzichtbar. Sie lindern den Personalmangel und tragen dazu bei, die Versorgung für alle zu gewährleisten.

Das Wort „Remigration“ wurde Anfang 2024 der breiten Öffentlichkeit bekannt, nachdem sich hochrangige AfD-Funktionäre mit Rechtsextremen in Potsdam trafen. Dort wurde ein „Gesamtkonzept im Sinne eines Masterplanes“ zur Remigration diskutiert. Die Reaktion der Zivilgesellschaft war eine historisch einmalige Welle an Bürgerprotesten – selbst in kleinsten Orten, wo noch nie eine Demonstration stattgefunden hatte, haben Menschen gegen die fremdenfeindlichen Positionen der AfD protestiert. In den darauffolgenden Monaten sank die Zustimmung zur AfD in Wählerumfragen von 22 Prozent auf 15 Prozent.

Laut dem in Potsdam diskutierten Konzept für millionenfache Remigration sollen massenhaft Menschen mit Migrationshintergrund Deutschland verlassen: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht und sogar „nicht assimilierte“ deutsche Staatsbürger. Letztere sollen durch „maßgeschneiderte Gesetze“ und „hohen Anpassungsdruck“ zur Auswanderung gedrängt werden. Ein „Remigrationskonzept“, das deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund betrifft, ist aber verfassungsfeindlich und kann damit zu einem Parteiverbot führen.

Noch kurz nach dem Treffen Potsdam veröffentlichten die AfD-Fraktionsvorsitzenden der fünf ostdeutschen Landtage eine Erklärung, in der sie in die gleiche Richtung argumentierten: Auch dort wurde unterschieden zwischen „nichtintegrierten Ausländern“ (ohne deutsche Staatsangehörigkeit) und „nichtintegrierten Migranten“ (mit deutscher Staatsangehörigkeit). Für Letztere wolle man „Anreize schaffen“ um ihnen die „Heimkehr“ zu ermöglichen. Welche „Anreize“ das sein können, hatte Björn Höcke bereits in seinem Buch beschrieben: Für „ein groß angelegtes Remigrationsprojekt“ sei „wohltemperierte Grausamkeit“ mit „menschlichen Härten und unschönen Szenen“ nicht vermeidbar.

Seit den Protesten nach dem Potsdamer Treffen wird die Bundes-AfD nicht müde zu behaupten, dass Remigration nach ihrem Verständnis lediglich rechtsstaatskonform die Abschiebung ausreisepflichtiger Personen umfasse. Trotzdem verwendet sie damit aber weiterhin den verharmlosenden rechtsextremen Tarnbegriff.

So setzt die AfD eine seit Jahrzehnten von der rechtsextremistischen Neuen Rechten propagierte Strategie um: Sie verschiebt die Grenzen des Sagbaren und trägt zur Normalisierung solcher Begriffe und Ansichten bei. Die Verwendung des mehrdeutigen Begriffs „Remigration“ ermöglicht es der AfD auch, sowohl rechtsextreme als auch gemäßigte Wähler anzusprechen.

Quellennachweise:

  1. Wer für die AfD zum Volk gehört, Frankfurter Allgemeine Zeitung (Bezahlschranke)
  2. AfD: Richtungsstreit über das Reizwort „Remigration“, Deutsche Welle
  3. Wahlumfragen im Wahltrend zur Bundestagswahl, Januar 2024 bis Juni 2024
  4. Geheimplan gegen Deutschland, Correctiv
  5. Zwei Jahre nach der Potsdam-Recherche: Von angeblichen „Deportationslügen“ bis zum möglichen AfD-Verbotsverfahren, Correctiv
  6. Das „Volk“ der Rechtsradikalen, Correctiv
  7. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Juni 2025 (6 A 4.24), Randnummern 97-103 zum „Remigrationskonzept“ von Martin Sellner
  8. AfD-Programm zur Bundestagswahl 2025, Seite 101
  9. AfD-Positionspapier zur Remigration: Wie die AfD den Begriff „Remigration“ definiert
  10. AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla im phoenix-Interview, mit anschließender Einordnung, Youtube (ab 5:22 und Einordnung ab 8:51)
  11. Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz zur AfD aus 2025 zur Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch
  12. Stellungnahme der AfD-Fraktionsvorsitzenden Ost vom 15. Januar 2024
  13. Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ von Björn Höcke, Seite 156 (PDF) bzw. 254 (Print)
  14. Ohne Einwanderer ginge in vielen Branchen nichts mehr, Tagesschau
  15. Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiv?, Tagesschau
  16. Ausländische Beschäftigte fürs Gesundheitswesen unverzichtbar, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
  17. Factsheet: Ausländische Ärzte und Pflegekräfte, Mediendienst Integration

Studien belegen: Die Gewaltbereitschaft ist im Umfeld der AfD besonders hoch. Jeder Vierte befürwortet Übergriffe auf politische Gegner. Mit Ihrer aggressiven Rhetorik, Neonazi-Verbindungen und gezielten Provokationen schafft die AfD ein politisches Klima, das versucht Gewalt zu legitimieren. Der Staat muss sein Gewaltmonopol konsequent verteidigen – besonders in Regionen, in denen die Stärke der AfD zu weißen Flecken in der Strafverfolgung führt.

Quellennachweise:

  1. Sonderauswertung der „Mitte-Studie“, Universität Bielefeld 
  2. Studie zu Rechtsextremismus in Ostdeutschland, Göttinger Institut für Demokratieforschung 

Bundeskriminalamt zur politisch motivierten Kriminalität: Rechtsextremismus ist die größte Gefahr für die öffentliche Sicherheit und den sozialen Frieden in Deutschland. Die Zahl rechter Gewalttaten – auch gegen Politiker – steigt rasant.
Im Schnitt wird alle zwölf Minuten wird in Deutschland eine rechtsextreme Straftat begangen. Auch die Opferverbände melden einen Anstieg von rechter Gewalt um 24% im letzten Jahr.

Das ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, Recht und Freiheit des Einzelnen, sowie den Zusammenhalt im Land.

Quellennachweise:

  1. Statistik über politisch motivierte Straftaten 2024, Bundeskriminalamt
  2. Pressemitteilung zur Zunahme rechter Gewalt in 2024, Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt

AfD gründet Jugendorganisation in Gießen: Harmloses Nachwuchsprojekt – oder der nächste Schritt in eine offen rechtsextreme Zukunft?

Am 29. und 30. November 2025 soll in Gießen eine neue AfD-Jugendorganisation gegründet werden. Die bisherige Jugendorganisation der AfD, die „Junge Alternative für Deutschland“ (JA), war ein nahezu unabhängiger Verein, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde. Als deshalb ein Vereinsverbot drohte, das auch ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD begünstigt hätte, wurde die JA aufgelöst. Nun soll eine neue Organisation entstehen, angeblich gemäßigter – doch zahlreiche Hinweise lassen befürchten, dass die AfD hier lediglich versucht, ihr rechtsextremes Nachwuchsprojekt unter neuem Namen zu tarnen.

Als Bundesvorsitzender ist ausgerechnet der 28-jährige AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm vorgesehen – ein Mann, der schon die JA in Brandenburg gründete und zum harten Kern des Landesverbandes zählt, der vom Verfassungsschutz selbst als gesichert rechtsextrem gilt. Hohm pflegt seit Jahren enge Kontakte ins rechtsextreme Milieu. Und auch zur Gründungsversammlung in Gießen sollen rechtsextreme Organisationen eingeladen sein – mit Billigung des AfD-Parteivorstandes. Ein offenes Signal, wohin die Reise gehen soll.

Hinzu kommt: Die neue Jugendorganisation soll offenbar strategischer arbeiten als ihr Vorgänger – vor allem in den sozialen Medien. So könnte die AfD noch mehr junge Menschen mit demokratiefeindlichen Botschaften erreichen als ohnehin schon.

Auch Name und Logo der neuen Organisation werden in Gießen beschlossen. Der geplante Name „Generation Deutschland“ wirkt harmlos – doch das als Marke angemeldete Logo hat deutliche Ähnlichkeiten mit dem Parteiadler der NSDAP. Und das ist nicht der einzige Bezug zur NS-Zeit: Der Rechtsextremist Björn Höcke, welcher der AfD-Jugend als Idol gilt (mitunter ist auch von „Höcke-Jugend“ die Rede), postete auf X in Bezug auf die neue AfD-Jugendorganisation einen Leitspruch der Hitlerjugend: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich.

Quellennachweise:

AfD-Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl in Meißen (Sachsen): Neonazi im Schafspelz

Die AfD tritt zur Oberbürgermeisterwahl im sächsischen Meißen am 7. September 2025 mit dem „parteilosen“ Kandidaten René Jurisch an. Allerdings war Jurisch führendes Mitglied der verfassungsfeindlichen NPD (heute: „Die Heimat“). Deshalb wurde ihm auch die Mitgliedschaft in der AfD verwehrt. Die Meißner AfD umgeht durch die Nominierung von Jurisch als ihr OB-Kandidat die eigenen Parteigrundsätze.

Jurisch versucht zwar, seinen rechtsextremen Aktivismus als Jugendsünden abzutun, allerdings trägt er nach wie vor ein rechtsextremistisches Tattoo öffentlich zur Schau. Bis zuletzt postete er gewaltverherrlichende und rechtsextreme Inhalte in den Sozialen Medien.

Auch spannte er im vergangenen Jahr auf seinem Privatgrundstück für die Öffentlichkeit gut sichtbar ein Transparent auf: Darauf verbreitete er die rechtsextremistische Verschwörungstheorie von einem angeblichen Bevölkerungsaustausch. Diese als „Großer Austausch“ benannte Verschwörungstheorie bezeichnet er – versucht humorvoll, man will sich ja nicht angreifbar machen – als „menschengemachten Bevölkerungswandel“. Die Gefahr eines solchen Austauschs ist in Meißen allerdings sehr überschaubar, dort liegt der Ausländeranteil unter 5 Prozent und ist damit einer der niedrigsten in ganz Deutschland.

Dies alles zeigt ganz offensichtlich, dass  Jurisch eine übliche Strategie von Rechtsextremisten verfolgt: betont gemäßigtes Verhalten, um als „harmlos“ und wählbar angesehen zu werden. So sollen auch verfassungsfeindliche und menschenfeindliche Ideologien normalisiert werden. Der regionalen Wirtschaft schadet die AfD ebenfalls, siehe unseren Faktencheck zur Bundestagswahl.

Quellennachweise:

Weihnachten ist ein wichtiges Fest im Christentum. Es erinnert uns daran, was wirklich zählt: Mitgefühl, Zusammenhalt und Menschlichkeit.

Die AfD sagt, das Christentum gehöre zur „deutschen Leitkultur“. Aber was sie sagt und will ist nicht christlich. Denn die AfD will durch Kultur und Abstammung bestimmen, wer zum „deutschen Volk“ gehört – und wer nicht. Die deutsche Staatsangehörigkeit reicht dafür nach ihrer Vorstellung nicht aus.

Statt wie früher im Nationalsozialismus von „Rassen“ zu sprechen, benutzt die AfD heute ethnische und kulturelle Kriterien, um ein angeblich einheitliches deutsches Volk zu konstruieren. Dieses „Volk“ soll vor allem „Fremden“ geschützt werden. Das nennt man auch „völkischen Nationalismus“: eine gefährliche Ideologie, die Menschen in wertvolle und weniger wertvolle einteilt. Das ist verfassungsfeindlich und rechtsextrem.

Menschen, die für die AfD nicht dazugehören – zum Beispiel wegen ihrer Herkunft oder ihrer Religion – werden ausgeschlossen. Die AfD unterstellt Menschen mit Migrationshintergrund oder muslimischem Glauben negative Eigenschaften. Sie werden verächtlich gemacht und ihnen gegenüber werden Angst, Wut und Hass geschürt. Sie werden als Gefahr und als Menschen zweiter Klasse stigmatisiert und ihnen sollen weniger Rechte zugestanden werden. Das verletzt ihre Menschenwürde.

Die AfD benutzt also das Christentum, um die Gesellschaft zu spalten und andere auszuschließen. „Nächstenliebe“ und Solidarität gelten bei ihr nur für diejenigen, die zu dem von ihr definierten „deutschen Volk“ gehören – allen anderen wird Solidarität verweigert. Es geht um Abschottung, Abweisung und „Remigration“ (also um die Ausweisung von Menschen, die als nicht zugehörig angesehen werden).

Und das ist nicht das einzig Unchristliche: Die AfD grenzt Menschen auch aus anderen Gründen aus. Sie bewertet Menschen danach, wie leistungsfähig sie sind und ob sie für die Gesellschaft „nützlich“ oder „belastend“ sind. Damit rechtfertigt die AfD, Menschen weniger Rechte zuzugestehen oder sie auszuschließen. Das sieht man zum Beispiel an abwertenden und menschenverachtenden Aussagen der AfD über Menschen mit Behinderungen oder über Menschen, die Sozialleistungen beziehen (besonders, wenn sie einen Migrationshintergrund haben).

Mit all dem wird die Grundüberzeugung des Christentums völlig ins Gegenteil verkehrt:

Demnach haben alle Menschen (als Ebenbild Gottes) die gleiche Würde und daraus abgeleitete Menschenrechte. Und zwar unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Kultur, Religion oder irgendetwas anderem – einfach, weil man ein Mensch ist. Das steht so auch im Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Das gilt immer und für alle. Und es setzt politischen Positionen Grenzen – als Lehre aus dem menschenverachtenden NS-Regime, in dem die Würde des Menschen antastbar war.

Völkischer Nationalismus und die Idee, dass manche Menschen mehr wert sind als andere, widersprechen somit den Grundwerten des Christentums – und auch unserer Demokratie. 

Darum haben sich auch die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland unmissverständlich gegen die AfD positioniert.

Was die AfD tut und will, geht nicht gegen „die da oben“, sondern um das, was uns als Gesellschaft zusammenhält – die Menschlichkeit. Deshalb sagen wir klar:

Menschlichkeit ja, #AfDnee

Quellennachweise:

Wie kommt es, dass so viele Menschen trotz dieser Widersprüche bei Wahlen für die AfD stimmen?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat dies in der Studie „Das AfD-Paradox: Die Hauptleidtragenden der AfD-Politik wären ihre eigenen Wähler*innen (2023, PDF)“ untersucht. Die Studie begründet dieses Wahlverhalten mit einer falschen Selbsteinschätzung vieler AfD-Wähler und mit deren Fehleinschätzung der gesellschaftlichen Realität.

Das zeigt: Zu einer mündigen Demokratie gehört Faktenwissen. Denn Fakten sind die Grundlage für den Austausch über Politik. Wir wollen in diesem Faktencheck AfD-Positionen auf ihre inhaltlichen Aussagen hin überprüfen und Widersprüche offenlegen. Die jeweiligen AfD-Positionen sind verlinkt, so dass diese leicht überprüft werden können.

Weitere Faktenchecks zu vergangenen Wahlen finden sich oben im Menüpunkt „Faktenchecks“. Weitere aktuelle Materialien finden sich außerdem auf unserer Social Media-Seite.